1. Wer sich Döner liefern lässt, zahlt mehr.
  2. Der Dönerindex von Lieferando kommt im Schnitt auf 8,03 Euro.
  3. Am teuersten Flensburg mit 9,77 Euro.
  4. Am günstigsten Halle mit 5,79 Euro.
  5. Und im Premium-Segment gibt es Steak-Döner für 12 Euro und mehr.
  6. Der Verband der Dönerproduzenten sagt, der Markt akzeptiert das.
  7. Für unsere Rechnung nehmen wir einen Laden in der Innenstadt
  8. und einen Preis von 8 Euro. Das entspricht ungefähr dem Lieferandoschnitt.
  9. Jetzt zum Kommentar. Was kostet ein Döner den Betreiber wirklich?
  10. Ein Gastroberater rechnet für die Gastronomie allgemein
  11. mit einem Wareneinsatz von 30 bis 40%.
  12. Und der Chef von Birtat, einem der größten Spießhersteller Europas,
  13. sagt, die Zutaten sind in wenigen Jahren um rund 50% teurer geworden.
  14. Er meint sogar, ein Döner müsste eigentlich 10 Euro kosten.
  15. Aber Vorsicht, er verkauft selbst Fleisch.
  16. Wir rechnen mit der Mitte, 33% Wareneinsatz.
  17. Und jetzt Schritt für Schritt.
  18. Von 8 Euro Verkaufspreis geht zuerst die Umsatzsteuer ab.
  19. Auf Speisen sind es 7%, das sind 52 Cent.
  20. Bleiben 7,48 Euro. Davon 33% Wareneinsatz.
  21. Rund 2,47 Euro für Fleisch, Brot, Salat, Soße und Verpackung.
  22. Nicht 1,50 Euro, sondern fast 2,50 Euro.
  23. Und wir haben noch kein einziges Gehalt bezahlt.
  24. Jetzt kommt der Teil, den der Kommentar vergisst.
  25. Der Laden muss jeden Tag öffnen, egal ob 50 oder 500 Leute kommen.
  26. Posten 1, Personal. Der Mindestlohn liegt seit Januar 2026
  27. bei 13,90 Euro pro Stunde.
  28. 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen.
  29. Nehmen wir an, der Laden hat jeden Tag 12 Stunden geöffnet,
  30. 30 Tage im Monat. Das sind 360 Öffnungsstunden.
  31. Eine einzige Person an der Theke
  32. kostet dann schon rund 5.000 Euro Bruttolohn.
  33. Aber zu den Stoßzeiten braucht man zwei.
  34. Einen am Spieß, einen an der Kasse.
  35. Wir rechnen im Schnitt mit zwei Personen.
  36. Das sind 720 Stunden, gut 10.000 Euro Brutto.
  37. Plus rund 20% Arbeitgeberanteile.
  38. Macht etwa 12.000 Euro im Monat.
  39. Posten 2, Miete. Ein Ratgeber setzt in seiner Beispielrechnung
  40. für eine Großstadt 3.500 Euro an. Das übernehmen wir.
  41. Posten 3, Strom, Gas und Nebenkosten.
  42. Der Grill läuft den ganzen Tag. 1.500 Euro.
  43. Posten 4, alles andere. Also Versicherung, Kasse,
  44. Reinigung, Müll, Steuerberater. 1.000 Euro.
  45. Zusammen sind das 18.000 Euro Fixkosten im Monat.
  46. Die laufen, bevor der erste Döner über die Theke geht.
  47. Szenario 1. Ein guter Laden verkauft 200 Döner am Tag.
  48. Das ist ein Döner alle dreieinhalb Minuten, zwölf Stunden lang.
  49. 200 mal 8 Euro mal 30 Tage, 48.000 Euro Umsatz.
  50. Ohne Umsatzsteuer bleiben rund 44.900.
  51. Davon gehen etwa 14.800 Euro für den Wareneinsatz weg
  52. und 18.000 für die Fixkosten.
  53. Übrig bleiben gut 12.000 Euro im Monat.
  54. Szenario 2. 120 Döner am Tag. Einer alle sechs Minuten.
  55. Umsatz 28.800 Euro. Netto rund 26.900.
  56. Wareneinsatz etwa 8.900. Fixkosten 18.000.
  57. Übrig bleibt ungefähr null.
  58. Szenario 3. 100 Döner am Tag. Umsatz 24.000 Euro.
  59. Netto rund 22.400. Wareneinsatz 7.400.
  60. Fixkosten 18.000. Ergebnis minus 3.000 Euro.
  61. Der Laden zahlt drauf. Siehst du, was passiert?
  62. Zwischen Pleite und 12.000 Euro liegen 80 Döner am Tag.
  63. Denn Miete und Personal bleiben gleich.
  64. Jeder zusätzliche Döner bringt dagegen gut 5 Euro Gewinn.
  65. 7,48 Euro netto minus 2,47 Euro Ware.
  66. Und das ist der Gewinn vor Steuern.
  67. Davon müssen noch Einkommensteuer, Krankenversicherung,
  68. Kredite für die Einrichtung und Ausfälle bezahlt werden.
  69. Wer selbst jeden Tag zwölf Stunden hinter der Theke steht,
  70. spart zwar Lohn, hat dafür aber keinen freien Tag.
  71. Doch selbst wer die 200 Döner am Tag schafft, lebt oft gefährlich.
  72. Denn die Gastronomie hat unsichtbare Killer.
  73. Nimm das Thema Verderb und Schwund.
  74. Salatwelke, angetrocknetes Brot,
  75. Fleischreste, die am Ende des Tages weggeworfen werden müssen,
  76. weil der Spieß nicht exakt kalkuliert war.
  77. Das treibt den realen Wareneinsatz oft heimlich nach oben.
  78. Dazu kommt die Saisonalität.
  79. Im regnerischen November oder im heißen Sommerloch
  80. brechen die Laufkundschaftszahlen drastisch ein,
  81. während die Miete und die Energiekosten
  82. für den unbarmherzig durchlaufenden Drehgrill exakt gleich hoch bleiben.
  83. Wenn dann noch ein Kühlhaus ausfällt oder der Ofen repariert werden muss,
  84. schmilzt die monatliche Marge im Handumdrehen zusammen.
  85. Ein Dönerladen ist eben kein Selbstläufer.
  86. Sondern ein hochsensibles Logistik- und Frischegeschäft,
  87. bei dem jeder Fehler direkt vom Gewinn abgezogen wird.
  88. Und dann gibt es den Elefanten im Raum,
  89. über den in der Branche ungern offen geredet wird. Die Schattenwirtschaft.
  90. Wer bei den harten Fixkosten und knappem Gewinn überleben will,
  91. schielt oft auf die Tricks jenseits der Legalität.
  92. Ob ein Teil des Personals komplett in bar und unter dem Tisch bezahlt wird,
  93. um die saftigen Arbeitgeberanteile und Sozialabgaben zu umgehen,
  94. oder ob die Registrierkasse nicht jeden zweiten Kundenumschlag erfasst.
  95. Solche Methoden verschaffen unfairen Spielraum.
  96. Ein Betrieb, der die Hälfte seiner Mitarbeiter schwarz beschäftigt
  97. und Steuern hinterzieht, rettet sich selbst dann in die Gewinnzone,
  98. wenn er am Tag nur 90 Döner verkauft.
  99. Für ehrliche Betreiber, die sich an jede Vorschrift
  100. und den gesetzlichen Mindestlohn halten,
  101. ist das ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb.
  102. Der Erfolg vieler vermeintlich brummender Dönerläden
  103. hat am Monatsende eben nicht nur mit guter Lage oder tollem Fleisch zu tun,
  104. sondern schlicht damit, ob das Finanzamt wegschaut
  105. oder der Zoll vor der Tür steht.
  106. In der Praxis sind 200 Döner am Tag keine Selbstverständlichkeit.
  107. Berlin hat laut dem Magazin der Freitag
  108. knapp 18 Dönerläden pro 100.000 Einwohner,
  109. so viele wie keine andere deutsche Stadt.
  110. Das Ergebnis? Ein Überangebot.
  111. Der Verband der Dönerproduzenten berichtet von Preisnachlässen
  112. zwischen 50 Cent und einem Euro an einzelnen Ständen.
  113. Vor allem Neueröffnungen arbeiten über den Preis.
  114. Ein Berliner Betreiber sagte, bei seinem Kampfpreis von 3,60 Euro
  115. bleiben ihm nach allen Kosten etwa 20 Cent pro Döner.
  116. Mehr verdiene er an Getränken und Falafel.
  117. Und ein Inhaber im schwäbischen Ehingen erzählte schon,
  118. als der Döner dort noch zwischen 4,50 Euro und 5,50 Euro kostete,
  119. der Laden allein reicht nicht mehr zum Leben.
  120. Er betreibt ihn nebenher.
  121. Das funktioniert nur, weil ihm das Gebäude gehört und er keine Miete zahlt.
  122. Und was ist mit Lieferdiensten?
  123. Lieferbestellungen bringen Umsatz, aber nicht automatisch Gewinn.
  124. Wie die Plattformen an jeder Bestellung verdienen,
  125. schauen wir uns im nächsten Video an.
  126. Was kann ein Betreiber also tun? Vier Hebel.
  127. Erstens, die Miete. Gehört dem Betreiber das Haus,
  128. fallen in unserer Rechnung 3.500 Euro weg.
  129. Aus der Null in Szenario 2 werden plus 3.500 Euro.
  130. Der eigentliche Gewinner im Dönergeschäft ist oft der Vermieter.
  131. Zweitens, Getränke und Beilagen.
  132. Ein Gastroberater nennt für Kaffee
  133. einen Wareneinsatz von nur 12 bis 16%.
  134. Der Döner selbst ist mit unseren 33% nicht das Margenprodukt.
  135. Drittens, das Premiumsegment. Steakdöner für 12 Euro und mehr.
  136. Viertens, die Steuer. Seit dem 1. Januar 2026
  137. gelten 7% Mehrwertsteuer auf Speisen
  138. auch dann, wenn man sie vor Ort isst.
  139. Vorher waren es dort 19. Auf Getränke bleiben es 19.
  140. Wie viel verdient ein Dönerladen wirklich?
  141. In unserem Beispiel zwischen minus 3.000
  142. und plus 12.000 Euro im Monat vor Steuern.
  143. Es kommt darauf an, ob 100 oder 200 Döner am Tag über die Theke gehen.
  144. Der einzelne Döner ist profitabel mit gut 5 Euro pro Stück.
  145. Aber der Laden drumherum ist ein Fixkostengeschäft.
  146. Ein Laden braucht Masse, sonst frisst die Miete den Gewinn.
  147. Der Kommentar mit den 1,50 Euro ist also zu einfach.
  148. Im nächsten Video, wie verdient Lieferando eigentlich Geld?
  149. Abonniere den Kanal, damit du es nicht verpasst.

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